Prolog

 

Er war dabei, ein Verbrechen zu begehen. Verdammt!

   Auf Zehenspitzen huschte er über den in nächtlicher Dunkelheit liegenden Parkplatz. Was passierte, wenn sie ihn erwischten?

   Ihm wurde kalt, als er an die Typen dachte, und er versuchte, den Gedanken beiseitezuschieben. Noch einmal wandte er den Kopf in alle Richtungen, ballte die Fäuste und kämpfte gegen die Gänsehaut und seinen flauen Magen an. Sosehr er sich bemühte, es gelang nicht.

   Mit zitternden Fingern löste er die Seile. Ihm war klar, dass es falsch war. Er hätte anders handeln müssen. Und er wusste, wie. Es wäre so einfach gewesen, das Richtige zu tun.

   Er kletterte auf den Lkw und zog die schwere Plane ein Stück zur Seite. Gerade so, dass er hindurchschlüpfen konnte. Erst jetzt wagte er es, die Taschenlampe aus der hinteren Hosentasche zu ziehen. Er deckte den Lichtschein mit der Hand ab und ließ nur einen winzigen Spalt.

   Er sah den Zurrgurt nicht und stolperte, fing sich aber im letzten Moment. Das Adrenalin rauschte durch seine Blutbahn, jede Faser seines Körpers drängte zur Umkehr.

   Noch einmal holte er Luft, dann richtete er sich auf

und zwang den Strahl der Leuchte nach hinten auf den Boden. Dort musste das Versteck sein. Endlich am Ziel, hebelte er den Deckel mit einem Schraubenzieher auf.

   Das Geräusch war nicht laut, trotzdem dröhnte es in seinen Ohren, und sein Herz setzte einen Schlag aus. Er wusste, dass er tot war, wenn sie ihn erwischten.

   Jetzt oder nie. Junge, reiß dich zusammen, verdammt!

   Seine Hände gehorchten ihm nicht, und er konnte den Deckel kaum zur Seite klappen. Einen Moment starrte er auf den Beutel, der in dem Hohlraum verborgen lag, und sein Atem beschleunigte sich. Das Plastik verhüllte den Inhalt nur unzureichend, die weißen Tabletten, wie viele mochten es sein?, waren deutlich zu erkennen. Langsam, fast ehrfürchtig nahm er die Tüte heraus und öffnete

sie, um die gepresste Versuchung durch seine Finger gleiten zu lassen.

   Dann zuckte er zusammen. Was war das? Es hatte sich angehört wie ein Knacken. War dort draußen jemand? War er entdeckt worden?

   Hastig stopfte er zwei Handvoll von den Tabletten in seine Jackentaschen und löschte das Licht der Taschenlampe. Geschmeidig wie eine Katze versuchte er, zurückzugehen, und hatte doch das Gefühl, zu trampeln wie ein Elefant. Er zwang sich, die Plane zur Seite zu schieben. Die Angst fraß ihn beinahe auf.

   Niemand war zu sehen. Hatte ihm seine Fantasie einen Streich gespielt?

   Rasch schlüpfte er durch den entstandenen Spalt und ließ sich auf den Boden gleiten, zog die Kapuze seines Pullis tief ins Gesicht und verschwand im Gebüsch neben dem Parkplatz.

   Erst jetzt wagte er durchzuatmen. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, das sich in ein zufriedenes Grinsen wandelte, als er den Inhalt seiner Jackentasche befühlte. Er hatte es geschafft! Er war in Sicherheit. Auch wenn er wusste, dass es abgrundtief falsch war.