Prolog



   Er blickte in ihre starren Augen, die ihn aus dem toten Gesicht wie anklagend ansahen, streichelte über ihr glänzendes Haar, die seidigen Wangen hinunter bis zu ihrem Hals. Sie saß auf seinem Schoß. Er hatte die Arme um sie gelegt und sah sie bewundernd an.

   In diesem Moment gehörte sie ihm. Nur ihm.

   Er konnte sich an ihr nicht sattsehen, denn inzwischen waren nur Reinheit und kindliche Unschuld geblieben, die ihrer Schönheit ein beinahe madonnenhaftes Aussehen verliehen. Am Ende hatte er den längeren Atem behalten.

   Er lachte in sich hinein, als ihm die Doppeldeutigkeit dieser Worte bewusst wurde.

   Dann küsste er sie zärtlich auf die Lippen, die mittlerweile blau und kalt geworden waren. Es störte ihn nicht.

   Für einen Moment spürte er wieder den Hass in sich aufwallen, als er sich erinnerte, wie sie ihn kokett angelächelt und dann das Gesicht zur Seite gedreht hatte. Für sie war er nichts weiter als ein Zeitvertreib in einem langweiligen Leben gewesen. Sie hatte ihn zurückgewiesen, ein Spiel mit ihm gespielt.

   Nun hatte es sich ausgespielt. Er hatte den Zorn über die erneute Zurückweisung gefühlt. Stärker als je zuvor, eine nie geahnte Kraft. Er hatte diesen Mund, der ihn verhöhnt hatte, zum Schweigen bringen müssen. Nicht nur mit Worten,

auch ihr Blick hatte ihn ausgelacht. Und er hatte es nicht mehr ertragen, so behandelt zu werden.

   Seine Hände hatten sich wie von selbst um ihren Hals gelegt. Er hatte mit ansehen können, wie das hämische Lachen von ihren Lippen verschwunden war und Angst sich ihrer bemächtigt hatte, und er hatte nicht aufhören können. Wie von Sinnen hatte er zugedrückt, bis es ein Ende gefunden hatte.

   Eine Ewigkeit, so schien es ihm, verweilte er in dieser Haltung, den toten Körper auf seinem Schoß. Immer wieder strich er über die weiche Haut und das seidige Haar. Er seufzte auf, es musste irgendwann vorbei sein. Einen letzten Blick warf er auf das Mädchen, sog jede Einzelheit ihres Aussehens in sich auf und versuchte, ihren Anblick für die Ewigkeit in seinem Gedächtnis zu konservieren.

   Nie wieder, so schwor er sich mit zusammengebissenen Zähnen, würde er sich von einem Mädchen zum Narren halten lassen.

   Mit diesem Eid auf den Lippen gab er sie frei und warf einen letzten Blick auf ihr Gesicht, ehe er sich umwandte und ging.